Sonntag, 7. Juli 2013

Unvollkommenheit

Nichts ist vollkommen hier auf dieser Welt.
Der Rose ist der Stachel beigesellt;
Ich glaube gar ,die lieben holden Engel,
Im Himmel droben sind nicht ohne Mängel.

Der Tulpe fehlt der Duft .Es heißt am Rhein:
Auch Ehrlich stahl einmal ein Ferkelschwein,
hätte Lucretia sich nicht erstochen,
Sie wär vielleicht gekommen in die Wochen.

Hässliche Füße hat der stolze Pfau.            

Uns kann die amüsant geistreichste Frau
manchmal langweilen wie Henriade
Voltaires ,sogar wie Klopstocks Messiade.

Die bravste ,klügste Kuh kein spanisch weiß,
Wie Maßmann kein Latein-der Marmorsteiß
der Venus von Canova ist zu glatte,
Wie Maßmanns Nase viel zu ärschig platte.

Im süßen Lied ist oft ein saurer Reim,
wie Bienenstachel steckt im Honigseim.
Am Fuß verwundbar war der Sohn der Thetis,
und Alexander Dumas ist ein Metis.

Der strahlenreinste Stern am Himmelszelt,
wenn er den Schnupfen kriegt ,herunterfällt.
Der beste Apfelwein schmeckt nach der Tonne,
und schwarze Flecken sieht man in der Sonne.

Du bist verehrte Frau,du selbst sogar,
nicht fehlerfrei,nicht aller Mängel bar.
Du schaust mich an -du fragst mich ,was dir fehle ?
Ein Busen ,und im Busen eine Seele.

Heinrich Heine ist der Verfasser dieses schönen Gedichtes
(geb.am 13.12.1797 in Düsseldorf, gestorben am 17.2.1856)