Samstag, 19. Oktober 2013

Die Hagebuttenlaterne

Die Hagebuttenlaterne


Die winterharte Frucht erglüht zur Unzeit,
Apfel des Dorns, ein kleines Licht für kleine Leute,
das nur von ihnen will, daß sie den Docht
der Selbstachtung am Leben halten,
und es nicht nötig hat, mit Glanz zu blenden.
Doch manchmal, wenn dein Atem frostig pludert,
wird er zur schweifenden Gestalt Diogenes'
mit der Laterne, der nach seinem Mann sucht;
so spürst Du auf einmal hinter dieser Frucht,
die er in Augenhöhe hält, den Schätzblick
und schreckst zurück vor ihrem dürren Fleisch,
vor ihrem Stich (daß er dich prüfte und freigäb!)
ihrer angepickten Reife, die dich mißt, dann weiterzieht.

Dieses Gedicht ist von dem Iren Seamus Heaney








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