Sonntag, 20. Oktober 2013

Relativismus ;fahrlässig oder scharfsinnig ?



Heute möchte ich über ein Thema schreiben, was mich sehr beschäftigt momentan. Zum Thema Relativismus las ich einen Spruch von Chris Swoyer, ein genialer Kopf der Mathematik und Kognitionspsychologie :

"Relativistische Thesen treten oft in zweifacher Gestalt auf : 
in einer kühnen und markanten Art,
die vorgetragen wird ,und in einer schwächeren Version ,die verteidigt wird-
wobei die erste Version die Tendenz hat, sich in die zweite zu verwandeln, sobald sie unter Beschuß gerät."

(zu finden in "Relativism" in the Stanford Encycloedia of Philosophy.)

Geht man davon aus ,er habe Recht mit seiner Erkenntnis ,rücken viele wichtige Menschen aus unserer Gesellschaft wie  Politiker, Pastoren, Bischöfe oder Lehrer in eine anderes Licht .

Afrikanische Flüchtlinge werden, danach gehandelt, zunächst gerettet und versorgt .
Kommt es zu einem Versorgungsengpass wird relativiert, wir können doch nicht alle Menschen aufnehmen, andere europäische Länder müssen auch Flüchtlinge aufnehmen, schicken wir doch einen Teil wieder zurück, wir bauen einen noch höheren Zaun ,ziehen eine neue Grenze.....

Einem mittlerweile recht bekannten Bischof wird zunächst zugestanden ,auch mal einen erste Klasse Flug geniessen zu können, das er ausgeruht an seinem nächsten Wirkort ankäme, um ihm anschliessend seinen Verstand abzusprechen , da sein heilbringendes Wohlwollen doch gewisse christliche Grenzen überschreite .Vom Papst wird eine relativierende Argumentation erwartet, die seinen Schützling in´s rechte Licht zurückführt.

Unsere Kanzlerin erklärt von einem Tag auf den anderen ,sämtliche Atommeiler in Deutschland gehörten abgestellt , verliert sich heute in einer relativierenden Argumentation ,die die ganze Debatte um Energiewende aufweicht und eine zielführende Lösung zunichte macht .

Erwische ich mich selbst ständig bei relativierenden Denkweisen ,in oben aufgeführten Beispielen ebenso wie in persönlichen Alltäglichkeiten . Ein grundsätzlicher Relativismus in Bezug auf die Wahrheit besagt, dass wir eigentlich nie sicher sein können ,was wahr ist . 
Ein scharfsinniger Relativist sagt ,dass die Wahrheit für unterschiedliche Menschen unterschiedlich ist ,weil jeder Mensch verschiedene Dinge mit ihren Worten bezeichnen.

Ein Anti-Realitivist behauptet ,die Wahrheit sei etwas ,das im Prinzip behauptet werden könne, unabhängig davon ,wer dies tue.... 

Um die Verwirrung zu kompletieren ,die sich bei mir zugegebenermassen eingestellt hat , noch ein Gegenspieler der Relativisten mit seinem Ausspruch :

"der Metaphysiker glaubt ,dass er in einem Gebiet reist ,in dem es um Wahrheit und Falschheit geht.
In Wirklichkeit aber hat er nichts behauptet ,sondern nur etwas ausgedrückt, wie ein Künstler !" 

Rudolf Carnap, Überwindung der Metaphysik durch logische Analyse der Sprache