Samstag, 7. Dezember 2013

Vom Blinden und dem Lahmen


Vom Blinden und dem Lahmen




Von ungefähr muss einen Blinden
Ein Lahmer auf der Straße finden,                 

Und jener hofft schon freudenvoll,
Dass ihn der andre leiten soll

"Dir", spricht der Lahme, "beizustehn?
Ich armer Mann kann selbst nicht gehen;
Doch scheint´s, dass du zu einer Last
Noch sehr gesunde Schultern hast.

Entschließe dich, mich fortzutragen,
So will ich dir die Stege sagen:
So wird dein starker Fuß mein Bein,
Mein helles Auge deines sein."

Der Lahme hängt mit seinen Krücken
Sich auf des Blinden breiten Rücken.                
Vereint wirkt also dieses Paar,
Was einzeln keinem möglich war.

Du hast das nicht, was andre haben,
Und andern mangeln deine Gaben;                        

Aus dieser Unvollkommenheit
Entspringt die Geselligkeit.

Wenn jenem nicht die Gabe fehlte,
Die die Natur für mich erwählte,
So würd` er nur für sich allein
Und nicht für mich bekümmert sein.

Beschwer die Götter nicht mit Klagen!
Der Vorteil, den sie dir versagen
Und jenem schenken, wird gemein,
Wir dürfen nur gesellig sein“

Text: Christian Fürchtegott Gellert , 1746 (1715-1769) der Bildhauer dieses Kunstwerkes heißt Uwe Meints; es steht in Dülken in der Altstadt .

copyright by Elli Bergner




An diesem Bauwerk laufe ich jede Woche mehrmals vorbei, mit unterschiedlichen geheingeschränkten Patienten aus meiner Praxis . Jedesmal freue ich mich , dass ich nach getaner Arbeit so leichtfüssig daran vorbeihuschen kann . Man sollte wirklich seine Gesundheit zu schätzen wissen und darauf hoffen, dass man selbst auch getragen wird wenn es mal so endet wie mit dem Blinden und dem Lahmen. Wünsche eine gute Nacht und verabschiede mich für heute . Mein Sofa ruft :)